Einblicke über gelebten Islam in Deutschland in seiner Vielfalt

 

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Wenn in der deutschen Öffentlichkeit über Islam und Muslime debattiert wird, ist Aiman Mazyek einer der am häufigsten gesuchten Ansprechpartner. Wenngleich er mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) rein quantitativ nur den viertgrößten, bundesweit organisierten muslimischen Dachverband als Vorsitzender vertritt, schätzen Pressevertreter, Politiker, Kirchenfunktionäre und zivilgesellschaftliche Akteure landauf landab seine Aufgeschlossenheit und Schlagfertigkeit.

Mazyek selbst hat jedoch erkannt, dass Pressekonferenzen und Fernsehauftritte zwar der eigenen Imagepflege dienen, aber kaum dazu geeignet sind, der deutschen Mehrheitsgesellschaft ein realistisches und vollständiges Bild über Leben und Ansichten der mit ihnen lebenden Muslime vermitteln. Um dieses Herzensanliegen zu erfüllen, hat er nun ein Buch verfasst, das allen bekannten Vorurteilen und Stereotypen über Islam die deutsch-muslimische Wirklichkeit entgegenstellt und zugleich in Anekdotenform Einblicke in den muslimischen Alltag bietet. Dabei lässt er erkennen, dass die Muslime nicht nur einen Teil der deutschen Gesellschaft darstellen, sondern auch in die deutsche Kultur eingebettet sind und diese ebenso wie Christen, Juden oder Agnostiker auf ihre Weise mitprägen.

Unter der Titelfrage „Was machen Muslime an Weihnachten?“ beansprucht das Buch, den Leser weniger im Stile eines Lexikons die oft falsch und einseitig wahrgenommenen Begriffe im Zusammenhang mit Islam wie Scharia oder Djhad und muslimische Verhaltensweisen wie die Beschneidung von Jungen oder das Schächten von Tieren zu erläutern, sondern ihm mehr noch die unzähligen Gemeinsamkeiten und die Werteverbundenheit mit Juden und Christen nahezulegen.

Beim Versuch der Beantwortung der Titelfrage deutet er bereits an, dass das muslimische Leben in Deutschland in so großer Vielfalt existiert und pauschale generalisierende Antworten somit kaum möglich erscheinen. Er belässt es im Wesentlichen bei Erzählungen aus seiner eigenen Kindheit, in der er bei der elterlichen Familie seiner Mutter, einer zum Islam konvertierten gebürtigen Badenserin, gemeinsam feierte. Schließlich legt er Wert darauf, dass Jesus auch im Islam als Prophet verehrt wird und seiner Mutter Maria sogar eine ganze Koransure gewidmet ist.

Ein Fest, das an Jesu Geburt erinnern soll, wenngleich es im christlichen Kulturkreis entstanden ist, kann damit auch für Muslime einen Anlass zum Feiern darstellen. Das konkrete Verhalten zu diesem Fest ist aber ebenso wie zu den klassischen muslimischen Festen in einer pluralistischen Gesellschaft, in der auch die Muslime in ihrer Vielfalt vertreten sind, individuell unterschiedlich.

Wer in diesem Buch quantitative Antworten auf Ansichten und Glaubenspraktiken von Muslimen in und außerhalb Deutschlands sucht, wird enttäuscht sein, denn hier schreibt kein Islamwissenschaftler, sondern ein muslimischer Verbandsfunktionär aus seiner persönlichen subjektiven Sichtweise. Damit wirkt das Buch allerdings lebendiger und authentischer.

Heutzutage häufig mit dem Islam assoziierte kritikwürdige Verhaltensweisen wie Gewalt im Namen der Religion oder Unterdrückung von Frauen spart er keineswegs aus, deutet zugleich aber an, dass diese Assoziationen auf einem mediengestützen Zerrbild von Muslimen in Verbindung mit verbreiteter Unkenntnis der islamischen Lehre und der muslimischen Realität beruhen.

Um dieser Unkenntnis zu begegnen, stellt er in seinem Buch den muslimischen Glauben in seiner Breite dar, geht auf die fünf Säulen des Islam und ihren Stellenwert in der Religion ein und skizziert, wie die einzelnen Elemente islamischer Religion und Tradition in einem mehrheitlich nichtmuslimischen Land wie Deutschland gelebt werden.

Auch auf seinen eigenen Verband und die Islamische Charta, auf die der ZMD sich beruft, geht Mazyek im Schlussteil spezifisch ein. Sein Buch bleibt damit nicht nur auf seiner individuellen subjektiven Wahrnehmungsebene stehen, sondern bezieht auch konkrete Fakten ein, die er der deutschen Öffentlichkeit preis gibt. In dieser Hinsicht möchte es anderen Muslimen in Deutschland ein Beispiel abgeben, wie eine gelegentlich beobachtete Selbstbezogenheit ablegt werden kann und man als selbstbewusster und aufrichtiger muslimischer Bürger seinen Mitbürgern gegenübertritt.

Als umfassendes Werk eines der bedeutendsten muslimischen Verbandsfunktionäre über Leben und Glauben seiner Religion und ihrer Anhänger ohnehin eine Premiere, bietet das Buch ein ausgesprochen reichhaltiges Anschauungsmaterial, in welcher mannigfaltigen Form eine muslimische und deutsche Identität zusammengehören können. Es ist daher nicht nur interessierten Laien zu empfehlen, die sich über den Islam zu informieren beabsichtigen, sondern auch allen Medienvertretern oder Pädagogen, die den Anspruch besitzen, andere über die Realität des Islam und das muslimische Leben in unserer Gesellschaft aufzuklären.

D. C. Redaktion, 24.12.2016

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